Donnerstag, 26. Mai 2011

Kittenkauf in Zeiten des "Geiz-ist-g..l"-Wahnsinns!

In früheren Zeiten zahlte man für Qualität mehr, denn sie hatte schon immer ihren Preis und das wusste man. Ob es nun das langersehnte Fahrrad, ein Paar guter Schuhe oder eine kleine Reise war, es war üblich auf  "etwas" zu warten und es war gängige Praxis darauf sparen zu müssen. Dies galt natürlich auch für Tiere anerkannt guter Züchter. Trotz aller Sparerei, der durchschnittlich verdienende Tierliebhaber konnte sich so ein besonderes Tier meist nicht leisten.  

Dann kam der wirtschaftliche Aufschwung für jedermann. Vieles, auf das vorher lange, und manchmal auch vergeblich, gewartet wurde, wurde plötzlich erschwinglich. Man fuhr in den Urlaub, kaufte sich immer größere Autos, verspeiste an sieben Tagen in der Woche riesige Fleischberge, suchte Hunde oder Katzen nach der jeweiligen Mode aus, und ließ es sich insgesamt so richtig gut gehen. Unangenehme Begleiterscheinungen wie Umweltverschmutzung und Übergewicht nahm man als (Gott) gegeben hin. Durch unverständiges Züchten entstandene HD-geplagte Hunde und Katzen ohne Nasen ebenfalls. Rassetiere wurden zu Statussymbolen der kleinen Leute. Wenn es schon nicht der Mercedes oder ein Farbfernseher sein konnte, dann doch wenigstens eine ausgefallene Katze, welche sich deutlich von Bauers Minka unterschied.

Einige Jahre später musste der Gürtel zwar wieder ein wenig enger geschnallt werden, aber Dank der Erfindung des Internets wurde 'Preisevergleichen' innerhalb kürzester Zeit zum beliebten Volkssport und viele konnten sich weiterhin Dinge, auf die sie sonst womöglich nun doch hätten sparen oder verzichten müssen, immer noch sofort leisten. Unterstützung gab der Gesetzgeber: Der ließ das Rabattgesetz fallen und der Verbraucher daraufhin sämtliche Hemmungen. Angespornt wurde er zusätzlich durch einen Technikriesen, dessen clevere Marketingleute obigen Slogan erfanden. Fortan wurde gehandelt, was das Zeug hielt. Viele Unternehmen müssen es sich seitdem gefallen lassen, dass ihre Preispolitik in Frage gestellt wird. Züchter werden zum Teil massiv unter Druck gesetzt, ihre Preise herabzusetzen. Viele reagieren darauf inzwischen, indem sie Kostenaufstellungen auf ihren Webseiten veröffentlichen. Dies geschieht wohl in der Hoffnung, Interessenten nicht länger erklären zu müssen, warum der Preis für ein Kitten so hoch ist.

Ich halte davon nichts. Natürlich ist eine transparente Preispolitik wünschenswert, aber muss man deswegen sein Innerstes nach außen kehren? Ob eine detailierte Kostenaufstellung ein Umdenken in den Köpfen von Ignoranten bewirkt, wage ich zu bezweifeln. Wozu das alles auch? Wenn ich z.B. ein Ticket bei einer Fluggesellschaft kaufe, wird mir doch auch nicht vorgerechnet, wie sich der Flugpreis en detail zusammensetzt. Oder weiß einer der geneigten Leser in welcher Höhe die Personalkosten kalkuliert sind? Wie steht es mit dem Gewinn vor bzw. nach Steuern? Keine Ahnung? Na eben! Unternehmen müssen Gewinne erzielen, um am Markt überleben zu können. Jeder versteht das, besonders der Aktionär. Wir fragen uns, warum Züchtern nicht dasselbe Recht zugestanden wird. Warum tut sich der Tierliebhaber damit so schwer? Würde er im Umkehrschluss auf seine Gewinne bei Ebay verzichten? 

Unsere Welt wurde im Laufe der nachfolgenden Jahre weiterhin kleiner. 'Globalisierung' wurde zum verheißungsvollen Schlagwort. Größere und kleinere Preiskriege waren an der Tagesordnung. Lachender Dritter - zunächst - der Verbraucher. Der wollte jetzt natürlich in allen Bereichen seines Lebens sparen und trotzdem genießen. Am Ende wird uns dieses Streben nach dem niedrigsten Preis aber das kosten, was uns so wertvoll erscheint: Ein qualitativ hochwertiges Leben. Rückrufaktionen wegen giftigem Kinderspielzeug und diverse Lebensmittelskandale geben uns schon heute einen Vorgeschmack auf das was uns Verbrauchern wohl zukünftig noch bevorstehen mag. 

Was das mit vertrauensvollem Katzenkauf zu tun hat? Nun, eine ganze Menge. Die Triebfeder dessen worüber ich bisher beschrieben habe, ist die Gier. Gier ist eine Macht, die uns Menschen vorantreibt, uns zu Höchstleistungen anfeuert, das Gewünschte , allen Widerständen zum Trotz,   zu erreichen. Gier lädt zum Mogeln ein. Behauptet, dass das alles doch nicht so schlimm wäre, schließlich würde es jeder tun. Wer nicht mitmacht wird zum Verlierer abgestempelt und setzt sich dem Hohn und Spott seiner Mitmenschen aus. Gier löst gleichzeitig aber auch immer Misstrauen und Unsicherheit aus. Viele Menschen sind inzwischen, von unersättlicher Gier getrieben, ständig auf der Suche nach der günstigsten Gelegenheit. Finden sie sie und schließen den Handel ab, nagen sofort Zweifel an ihnen. Sie sind davon überzeugt, dass es beim nächsten Händler ganz sicher noch günstiger gewesen wäre. Finden sie ihn zufällig und entdecken, dass sie bei ihm tatsächlich weniger hätten bezahlen müssen, fühlen sie sich übervorteilt, über den Tisch gezogen. Leider kann jeder von der Gier gepackt werden. Sie verdreht Verkäufern, wie Käufern, die Sinne. Kommt die Gier Arm in Arm mit dem Geiz daher, hat sich eine der unheilvollsten Verbindungen gebildet. Diese Kombination sorgt dafür, dass der gesunde Menschenverstand vollends ausgeschaltet wird. 

Was das für ein Kitten bedeutet ist ganz einfach. Wächst es in einem ordentlichen Züchterhaushalt auf, wird es alles bekommen, was es für einen guten Start benötigt. Ob von seinem Verkaufspreis etwas übrig bleibt, wird seinem Züchter wenig ausmachen. Diesem ist nämlich durchaus bewusst, dass er ein schönes (aber sehr teures) Hobby pflegt, bei dem es sehr schnell passieren kann, dass er "zubuttern" muss. Der Käufer, der bereit ist, einen angemessenen Preis für seinen tierischen Partner zu bezahlen, kauft ausschließlich bei so einem Züchter, nachdem er diesen kritisch (!) ausgewählt hat. Dafür bekommt er ein gesundes, gut sozialisiertes Kitten, welches im Laufe der Zeit zu einer kräftigen und munteren Katze heranwachsen wird, die ihm viel Freude bereiten wird. 

Wächst ein Kitten in einem, sagen wir einmal profitorientiertem Zuchthaushalt auf, sieht die Sache ganz anders aus. Dieser Züchter wird alle Investitionen in das Kitten auf das absolute Minimum, und weniger, beschränken, und trotzdem versuchen den höchstmöglichen Verkaufspreis zu erzielen. Auch um den Preis kranker, schlecht sozialisierter Kitten. Der Käufer, der Geld sparen möchte, weil er nicht einsehen mag, warum er so viel Geld für ein bisschen Fell ausgeben soll, wendet sich an diesen Züchtertyp. Er hat gute Chancen ein ungesundes, behandlungsbedürftiges Kitten zu erwerben, welches sein Leben lang ein Problemfall, physisch wie psychisch, sein wird. Es steht zu befürchten, dass dies diesem Käufertyp aber nicht viel ausmachen wird. Er geht einfach los und kauft sich ein neues Kitten bei einem anderen Vermehrer, nachdem er sein erstes Kitten im örtlichen Tierheim mit dem Hinweis auf eine Tierhaarallergie entsorgt hat ... 

Ich möchte an die ordentlich arbeitenden Züchter appellieren: "Lassen Sie sich von gierigen Kunden nicht in die Enge treiben. Seien Sie stolz auf Ihre Zuchterfolge und kümmern Sie sich auch weiterhin liebevoll und kompetent um Ihre Katzen und deren Babys. Suchen Sie wie bisher Bauchkrauler und Dosenöffner passend zu den jeweiligen Kitten aus und setzen Sie unbelehrbare Besserwisser einfach vor die Tür." Kunden, die bei ihnen kaufen, möchte ich von ganzem Herzen danken und ihnen sagen, dass ich mir wünsche, dass es mehr Menschen wie sie gäbe! Ich vertraue darauf, dass sie sich liebevoll und gut informiert um ihre Fellnasen kümmern werden und wünsche ihnen allen ein glückliches und langes, gemeinsames Leben! 

Unseriöse Züchter, welche ich lieber als gewissenlose Vermehrer bezeichne, sind es einfach nicht wert, dass ich länger als nötig auf ihre Existenz eingehe. Ich möchte nur folgendes loswerden: "Hören Sie auf, auf Kosten von Lebewesen Geld verdienen zu wollen. Hören Sie auf, Tiere für Ihre Zwecke zu missbrauchen. Was Sie treiben ist schlicht und einfach Prostitution!" Ihre Kunden möchte ich herzlich bitten, solch schändliches Treiben nicht zu unterstützen. Sollten sie aber trotzdem bei einem Vermehrer schachern wollen, stelle ich ihnen einen ganz einfache Frage: "Sind Sie wirklich sicher, den günstigsten Preis gezahlt zu haben?"


Mein Fazit: "Geiz ist nicht g..l."
Er geht zu Lasten der uns anvertrauten Tiere und macht auf Dauer
unser aller Leben um so vieles ärmer!




Noch mehr erfahren:
Allgemeine Informationen über Ragdollzüchter, -Organisationen etc.
 
Die Fotos 1 - 3 (Akira & Shikoba, Akira, Shikoba, ) unterliegen dem Copyright von B. Reißmann, die Fotos 4 - 5 (Babyli und Iñaki Sakima 'aka' Ivo) dem von B. Biermann.

Erstveröffentlichung: 26.08.2009
Veröffentlichung auf Pagewizz  am 10.03.2010

Kommentare:

  1. Interessanter und gut geschriebener Beitrag *daumenhoch*

    LG
    Marlene

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  2. Kann mich nur Marlene anschließen.

    Es ist schlimm, dass Tiere unter dem Geiz leiden müssen. Ich bin froh, dass ich Glück mit meinen Züchterinnen gehabt habe.

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  3. Liebe Heike,

    auch dir danke ich natürlich ganz herzlich!

    Sicher hast du dir die Zucht vor dem Kauf gut angesehen, denn so süß kleine Pelzknäule auch immer sein mögen, sie sagen meist nichts über die Zustände hinter den Kulissen aus! Umso wichtiger ist es, dass sich der Kitteninteressent mit kritischen Augen umschaut and sich nicht vom schönen Schein blenden lässt.

    Ansonsten entwickeln sich schnell Zustände wie in Greifenstein. Wobei das was sich dort abgespielt hat, natürlich nicht charakteristisch für die Züchterszene an sich ist. Ein Vermehrerhaushalt mit 3-4 Zuchttieren, die ausgebeutet und nur unzureichend versorgt werden, ist da wohl typischer.

    Alles Liebe
    Anna

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  4. Wo wir beim Thema sind.:

    Kam soeben über Twitter (Bericht in/auf der BZ)

    http://is.gd/HE3wrF

    (Darstellung des Link verkürzt)

    :/

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  5. Ich fasse es nicht - danke für den Link liebe Marlene!

    So wie ich unsere Behörden kenne, sind diese Missstände aber wohl nur beseitigt (*) worden, weil diese Vermehrerin beim Jobcenter angezeigt wurde ... Trotzdem bin ich natürlich froh, dass die Katzen nun eine Chance auf ein besseres Leben haben!

    Alles Liebe
    Anna

    (*) Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, was mit den Katzen geschehen ist :/

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  6. Bei Artos und Elli habe ich mir vorher das Haus der Züchterin angeschaut und auch alle Katzen gesehen.
    Bei Charly und Connor war es mehr die "Katze im Sack" kaufen. Der Kontakt kam über die Züchterin von Artos zustande. Ich konnte die Cattery nicht besuchen, da Elli mit Verdacht "Parvovirose" gestorben war. Und die Züchterin verkauft ihre Katzen auch nicht an jeden :). Aber wir verstanden uns auch auf Anhieb...

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  7. Also wenn eine gute Züchterin eine andere empfiehlt, verstehe ich dies als vertrauensvolle und verlässliche Empfehlung, schließlich hat sie einen Ruf zu verlieren, den sie für eine andere Züchterin sicher nicht aufs Spiel setzen würde ;)

    Würde meine Freundin (die Züchterin vom Babyli) mir eine andere Zucht empfehlen, würde ich auch blind kaufen :)

    Alles Liebe
    Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas