Montag, 18. Juli 2011

BP ist überall

Wahnsinn und kein Ende?

Obwohl die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko noch lange nicht ausgestanden ist - und es ebenfalls auch noch nicht abzusehen ist, welche Folgeschäden auf uns alle noch zukommen werden - schielt der Ölmulti BP schon nach der nächsten sprudelnden Einnahmequelle. Diese befindet sich diesmal direkt vor unserer Haustür, nämlich im Mittelmeer vor der Küste Libyens.

Dort sollen - nach unterschiedlichen Angaben - in Tiefen zwischen 1750 und 2000 (!) Metern Bohrungen vorgenommen werden. Wir erinnern uns: Das Bohrloch der Deepwater Horizon befindet sich in 1500 Metern Tiefe. Das Unvermögen der Spezialisten die Katastrophe in diesem Bereich mit einem funktionierenden Notfallplan abzuwenden, konnten wir alle monatelang beobachten.

Die geschätzten Kosten dieses Desaster für BP bisher: Einhundert Milliarden Euro. In Zahlen ausgedrückt: 100.000.000.000! Unvorstellbar, oder? Etwas plastischer wird es vielleicht, wenn Sie sich vorstellen, dass Sie 500-Euro-Scheine solange aufeinanderstapeln, bis Sie eine Milliarde Euro zusammen haben. Nach 220 Metern hätten Sie es geschafft. Mit 100 multipliziert ergibt sich eine Gesamthöhe von 22000 Metern. Ihr Geldstapel würde also vom Grund des Marianengrabens bis zum Gipfel des Mount Everest und gute 100 Meter über ihn hinaus reichen.

Ein Schelm der nun denkt, dass diese Katastrophe für BP das Aus bedeuten würde. BP kann Unternehmensteile verkaufen, Forderungen eintreiben und Verluste steuerlich gelten machen. Kein Unglück ist so groß, als dass sich nicht auch daraus für gewiefte Geschäftsleute Profit schlagen ließe.

Was an Umweltschäden langfristig betrachtet auf uns alle zukommen wird, lässt sich, wie gesagt, noch nicht ansatzweise bemessen bzw. beziffern. Bedingt durch den Einsatz von Chemikalien zur Bekämpfung des Ölteppichs auf der Wasseroberfläche, wurde das Öl in kleinste Einheiten zersetzt und sank in tiefere Wasserschichten. Was dort mit ihm geschieht und wie weit es durch Meeresströmungen getragen wird, welche Langzeitschäden Tiere und Pflanzen nehmen werden - man weiß es nicht. Eines weiß man aber schon. 500 Millionen Liter Öl werden sich nicht in nichts auflösen.  Gegen das Vergessen: Multimedia-Chronik: Die Ölpest im Golf von Mexiko.
 

"Einen Fisch aus dem ölverseuchten Golf von Mexiko auf seinem Teller würde der BP-Einsatzmanager zur Bekämpfung der Ölpest, Doug Suttles, nach eigenen Angaben nicht verschmähen." (afp/abendblatt.de vom 02.08.2010)

  

Bündelung der Kräfte 

Angesichts der vielen menschengemachten und immer häufiger auftretenden Umweltkatastrophen, allein der letzten 50 Jahre, verharren viele mittlerweile in Ohnmacht und Entsetzen. Es scheint für den Einzelnen praktisch unmöglich, sich gegen die allmächtig erscheinenden, global operierenden Großkonzerne vorzugehen. Seiner Stimme ein Gewicht zu geben und seine Wünsche durchzusetzen ist für eine einzige Person auch unmöglich. Den Kampf David gegen Goliath kann ersterer nur für sich entscheiden wenn er seine Kräfte bündelt.


 In der Gemeinschaft wächst der Einzelne über sich hinaus.
Ist diese Gruppe im Einklang, werden große Dinge spielend leicht bewegt.
Luise Kött-Gärtner


Aber wie?

Ihre Möglichkeiten sind vielfältig. Nutzen Sie sie!

Ein paar Beispiele:

Gerade als Verbraucher halten Sie mit ihrem Kaufverhalten eine stärkere Waffe in der Hand, als Ihnen vielleicht bewusst sein mag. Setzen Sie es gezielt ein, um Ihre Meinung zu vertreten. Boykottieren Sie Produzenten und Händler deren Vorgehen Sie missbilligen. Nehmen Sie dafür auch gern einmal einen Umweg in Kauf.

Nutzen Sie Ihr Auto nur, wenn es wirklich nötig ist. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist man oft schneller und tut nebenbei noch eine Menge für die eigene Gesundheit und den Geldbeutel.

Nehmen Sie ihren Stromanbieter unter die Lupe. Prüfen Sie Ihren Vertrag. Wie hoch ist der Anteil an erneuerbaren Energien, an Atomkraft? Gibt er seine Einsparungen (Einkauf) an sie weiter?

Informieren Sie sich über Herstellungs- und Transportwege der Güter, welche sie gewohnt sind zu kaufen. Gibt es möglicherweise preiswertere Alternativen aus der Region?

Gestalten Sie Ihren Speisezettel ebenfalls mit Produkten aus der Region. Obst und Gemüse schmecken einfach besser, wenn sie kurz nach der Ernte, aber vor allem reif, auf den Teller gelangen.

Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum. Machen Sie um Fleisch aus konventioneller Haltung einen weiten Bogen. Greifen Sie stattdessen immer zur Bio-Ware.

Nehmen Sie Kontakt zu örtlichen Umwelt- und Tierschutzgruppen auf. Bieten Sie dort Ihre Hilfe an.

Übernehmen Sie die Patenschaft oder sogar eine Pflegestelle für ein Tier. Patenschaften gibt es übrigens auch für Bäume.

Bündeln Sie Ihr Spendenbudget und konzentrieren Sie den Hauptanteil auf eine oder zwei Organisationen. Eine Hand kann mit 20 Euros mehr erreichen, als 10 Hände mit je 2!

Warum in die Ferne schweifen ... Ein Urlaub im eigenen Land ist manchmal Abenteuer pur und schont Ihre Klmabilanz. Deutschland ist ein Urlaubsland mit vielen schönen Gesichtern!

Verzichten Sie auf Möbel und Böden aus Tropenholz. OHT-Holz ist eine gute Alternative.

Sammeln Sie (als Gartenbesitzer) Regenwasser in einer Zisterne und verzichten Sie darauf Pflanzen und Blumen mit kostbarem Trinkwasser zu gießen. Regenwasser eignet sich außerdem sehr gut zum Putzen, Wäsche waschen und für die Toilettenspülung. Ihre Wasserersparnis kann dabei durchaus 50 % betragen!

 
Ziehen Sie Ihre Freunde und Bekannte mit ins Boot. Diskutieren Sie mit ihnen über das, was uns alle betrifft. Beratschlagen Sie gemeinsam was sie tun können.

Sie werden erstaunt sein, was da im Laufe der Zeit so zusammenkommen wird!


CO2 - Rechner


Beteiligen Sie sich regelmäßig an Unterschriftenkampagnen und Aktionen der verschiedensten Organistionen. Setzen Sie ein Zeichen, dass Sie nicht länger gewillt sind, alles zu schlucken, was man Ihnen vorsetzt. Werden Sie so Teil einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Denken Sie daran:

Gemeinsam sind wir stark!


* Unser Planet in wunderschönen, zum Teil nie gesehenen,
Bildern von Yann Arthus-Bertrand (klick) *


Erstveröffentlichung auf Pagewizz am 04.08.2010

Kommentare:

  1. Wie das alles noch mal werden soll.
    Wird all schlimmer finde ich (Essen, Katastrophen, Wetter) oder man bildet es sich ein :/

    Selber bin ich schon bei den Windanlagen im Wattenmeer skeptisch. Die sind ua.a so tief im Boden verankert und was für Auswirkungen es für das Wattenmeer hat, ist doch auch noch nicht raus. Hoffe ja immer, das die auch die Flugvögel und ihre Route berücksichtigen. Nein, gleich weiter das Wattenmeer mit OffShore-Anlagen voll ballern/verplanen. Ob Windkraft dann irgendwann für unser Klima noch genutzt werden kann .... da müssen wir uns überraschen lassen.

    LG
    Marlene

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  2. Vor allen Dingen, ob es hilft, wenn wir protestieren? BP hat doch so viel Moos - offensichtlich immer noch - dass die ihre Ohren auf Durchzug stellen können.
    Sie haben das Geld, sie haben das Sagen, so ist das Punkt.

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  3. Die stellen ihre Ogren nicht auf Durchzug, aber die kaufen mit ihrem Geld eben alles, auch die politische Großwetterlage. Leider.
    Fakt ist, dass wir nun mal Energie brauchen. Keiner möchte wahrscheinlich ins Erdloch zurück. Ich würde Gremien bilden, sie in Klausur schicken und erst wieder rauslassen, wenn Lösungen gefunden wurden. Die werden dann öffentlich diskutiert und wenn sie zu schlecht sind, geht es wieder in Klausur. Sind sie gut, darf meinetwegen auch ordentlich Geld verdient werden.
    Ich glaube, ich spinne schon wieder. :D

    Liebe Grüße von der Gudrun

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  4. Hallo Anna!

    Ich kann dich gut verstehen. Ich selbst bzw. wir sind zuweilen ohnmächtig ob der Dinge die geschehen. Wider besseren Wissens wird die Umwelt weiter zerstört - The game must go on.

    Wir liefern unseren kleinen Beitrag: ein kleineres Auto, Energiesparhaus, Produkte aus der Region, Energie einsparen...

    Wenn viele nur ein klein wenig machen, dann kann es einen Effekt haben. Am Ende wird sich für die Industrie nur etwas ändern, wenn es wirtschaftlich attraktiv ist und in Sachen Öl gibt es noch keine wirkliche Alternative, leider.

    Liebe Grüße

    Raoul

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  5. Hallo liebe Anna,
    jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag leisten. Man kann nicht alles beachten, aber immer ein bisschen....

    Ich finde es sehr gut, dass Du darauf aufmerksam machst!

    Liebe Grüße
    Katinka

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  6. Guten Morgen liebe Marlene,

    ich glaube nicht, dass "man" sich etwas einbildet. Tatsache ist, dass noch nie zuvor so viele Arten innerhab kürzester Zeit ausgestorben sind, wie in den letzten Jahrzehnten. Tatsache ist, dass wir mitten in einem (auch von Menschen gemachten) Klimawandel stecken. Tatsache ist, dass Politiker sich von einigen wenigen kriminellen Wirtschaftsbossen und zockenden Multimilliardären am Nasenring vorführen lassen.

    Der Betrieb von Windkraftanlagen im Nationalpark Wattenmeer ist ein typisches Beispiel für die Ignoranz des Menschen. Wobei ich absolut dafür bin, Wind- und Solarkraft zu nutzen, um von den fossilen Brennstoffen wegzukommen. Politiker und Betreiber sollten jedoch auf Zonen ausweichen, die dies besser vertragen, als ausgewiesene Schutzgebiete - vor allem, wenn sie auch noch als Welterbe der Menschheit von der Unesco ausgezeichnet wurden!

    Danke für deinen anregenden, die Diskussion bereichernden, Beitrag.

    Alles Liebe
    Anna

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  7. Guten Morgen liebe Bärbel,

    deine Frage, ob Protest tatsächlich hilft, möchte ich uneingeschränkt bejahen. Viele Bürgerinitiativen haben z. B. schon viel Unsinniges verhindert. Auch wenn dies nicht immer durch die Presse geht. Die großen Demonstrationen (sowohl auf der Straße, als auch per Unterschriftenkampagne) nach Fukushima haben unseren Politikern z. B. tüchtig eingeheizt (Angst vor Stimm- und Wahlverlust) und so unsere seit den 70er Jahren stagnierende bzw. einseitig geführte Atomdiskussion massiv vorangetrieben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik konnten wir Bürger erfahren, dass wir die Macht haben unseren Willen durchzusetzen. Wenn das kein Ansporn ist!

    Natürlich haben die Großen "das Moos", aber nur solange wir Verbraucher bei ihnen einkaufen. Oder etwa nicht? ;) Als RWE und EON unseren Staat mit Klagen bedrohten, weil deren AKWs stillgelegt wurden, wo waren da die Massenkündigungen der Kunden? Nun geht RWE eine Partnerschaft mir Gazprom ein (und EnBW plant eine Kooperation mit Novatek). Wo sind jetzt die Massenkündigungen? Ich habe nichts davon gehört. Du vielleicht? Dieses Nichtverhalten der Verbraucher wird von Firmenlenkern wie Jürgen Großmann eher als Einverständnis seines Tuns, denn als ohnmächtiges Zuschauen, verstanden. Es ist ihm zugleich Ansporn und Bestätigung. DAS sollte ein Verbraucher niemals unterschätzen!

    Alles Liebe
    Anna

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  8. Nein, du spinnst nicht liebe Gudrun. Du forderst von deinen Volksvertretern lediglich das, wofür sie gewählt wurden: Deine Interessen zu vertreten. Dazu gehört u.a. auch, sich gegen die Interessen von Wirtschaftsunternehmen zu stellen! Von diesen wiederum erwartest du umweltverträgliche Lösungen, die du dann auch gern bezahlst. Was soll daran falsch sein? ;)

    Danke für deinen kreativen Beitrag, den ich für absolut überdenkenswert halte. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich immer freue, wenn ich auf mündige Bürger treffe!

    Alles Liebe
    Anna

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  9. Ja, lieber Raoul, wir können eine Menge tun - ohne dass es uns viel Mühe kosten, oder uns in unserer Bequemlichkeit einschränken würde. Da stimme ich dir absolut zu.

    Letztendlich ist es doch so, dass der Verbraucher bestimmt, was hergestellt wird. Auch wenn manch Verbraucher sich lieber in die bequeme Opferrolle begibt und so tut, als trüge er keine Verantwortung an dem was um ihn herum geschieht. Vielleicht ist ihm seine Rolle in diesem "Spiel" aber auch nur nicht bewusst?

    Ich finde es wundervoll und nachahmenswert, was ihr tut und danke dir dafür, dass du ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert hast.

    Alles Liebe
    Anna

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  10. Liebe Katinka - so ist es! Jeder noch so kleine Beitrag, führt dazu, dass sich etwas zum Besseren wendet.

    Danke für deine Bestätigung, über die ich mich sehr freue!

    Alles Liebe
    Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas