Mittwoch, 31. Oktober 2012

Erinnerung an eine Rosskastanie

Einhundert Jahre lang stand eine prachtvolle Kastanie in der Nähe unseres Hauses. Man stelle sich nur einmal vor, was sie in dieser Zeit alles gesehen und erfahren haben muss! Während um sie herum Generationen heranwuchsen, und wieder vergingen, trotzte sie unermüdlich den Gewalten und wuchs zu einer stattlichen Höhe von rund 25 m heran. Allein, dass sie die schweren Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges, die bei uns mehrfach niedergingen, überlebt hat, grenzt an ein Wunder! Nun wurde sie gefällt, weil sie bei Bodenarbeiten so erheblich verletzt wurde, dass eine Rettung dieses wertvollen Baumes nicht für möglich gehalten wurde.

Gestern noch bot Aesculus hippocastanum einen Lebensraum für Myriaden von Kleinstlebewesen. Versorgte ihr Umfeld mit Sauerstoff, filterte Schadstoffe und Bakterien aus der Luft und spendete Hitzegeplagten an heißen Sommertagen wohltuenden Schatten. Sie schenkte vielen Freude und wurde im Laufe der Jahre zur einer unverwechselbaren Zierde ihres Hauses.




Inzwischen ist sie zum Fall fürs Gericht geworden, denn ein Gutachter hat ihren Wert auf € 90.000,-- geschätzt. Sie selbst, mittlerweile fein zerhäckselt, wird wohl schon bald als Mulch auf Beeten landen, wenn sie nicht eventuell sogar auf einer Deponie entsorgt wurde ... Einige Teile von ihr aber sind bei uns gelandet und sie werden uns nicht nur

an sie erinnern, sondern auch weiterhin - so hoffe ich - Lebensraum für andere sein.


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