Montag, 22. Juli 2013

Wasser, ein kostbares und unverzichtbares Gut, ein Menschenrecht sogar?

Oder doch nur so eine "Sache", welche beliebig benutzt, verschmutzt und verbraucht werden kann, weil sie unendlich zur Verfügung steht? Energieversorger und Politiker würden uns dies in Sachen "Fracking" wohl nur zu gern weismachen.

Tatsächlich ist Wasser kein unendlich nachwachsender Rohstoff, der einfach so vom Himmel fällt oder aus der Erde hervorsprudelt. Wasser ist allerdings der Stoff, der unendlich viele Prozesse in einer Vielzahl von Kreisläufen in Gang hält und ohne den Leben auf unserem Planeten überhaupt nicht existieren könnte. Ja, es wäre nicht einmal entstanden.

2011 schrieb ich den Artikel "Wie viel Mensch verträgt die Erde?", in welchem ich mich mit einigen Gründen, die zur Umweltverschmutzung weltweit beitragen, beschäftigt habe. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir nicht vorstellen, dass es auch in Deutschland Bestrebungen geben könnte, großflächig Gas nach amerikanischem Vorbild fördern zu wollen. Zu absurd erschien mir der Gedanke, dass jemand auf die Idee kommen könnte, die vollständige und unumkehrbare Zerstörung von Leben, Land und Ressourcen zu riskieren, um Schiefergaslagerstätten auszubeuten, die lediglich den Landesbedarf von rund 13 (dreizehn!) Jahren zu decken vermögen, statt in die Erforschung von Alternativen zu investieren.

Ich bitte, diese Aussage nicht misszuverstehen! Auch für eine längere Förderzeit ist eine zerstörte Umwelt ein zu hoher Preis, den zu zahlen ich nicht bereit bin. Selbst dann nicht, wenn dadurch der Energiebedarf für immer und einen Tag gedeckt wäre. Wir haben nur diesen einen Planeten und ist er zerstört, wohin könnten wir ausweichen?

Und wenn wir es könnten, weil z. B. der Mond oder der Mars bewohnbar wären? Ausweichen ist nichts anderes als sich aus der Verantwortung stehlen. Also auch keine Lösung! Zumindest keine erwachsene. Wir schulden der Erde Respekt und tragen gegenüber allen ihren Bewohnern Verantwortung, einfach weil wir durch unser fortgesetztes Eingreifen in natürliche Abläufe dafür sorgen, dass Lebensräume zerstört werden. Meist geschieht dies in der irrigen Annahme, der Mensch sei als "Krone der Schöpfung" dazu auserwählt und dürfe, nein müsse "alles was da kreucht und fleucht" nach Belieben unterwerfen, ausbeuten und vernichten. Solcherart verblendet mischt sich Homo sapiens fortlaufend in Vorgänge ein, oft ohne sie als solche zu erkennen, noch öfter aber leider, ohne sie zu verstehen.

"Fracking" vergiftet nicht nur unser Wasser und unsere Luft, es steht auch im Verdacht, Beben in Form von Schwarmbeben (auch Erdbebenschwarm) zu erzeugen. Nicht auszudenken, was auf uns zukommt, wenn durch diese künstlich erzeugten Erdbeben, große Vulkane aktiv würden ... Erwacht z. B. Yellowstone und bricht aus, hätte das nicht nur Folgen für Nord- und Südamerika, sondern für die gesamte Welt und das in einem Ausmaß, welches weder zu handhaben noch überhaupt vorstellbar ist. Eines jedoch ist sicher - es wäre der endgültige Rauswurf aus dem Paradies.

Yellowstone, eine abwegige Idee? Nicht ganz, wie die nachfolgend geschilderten Ereignisse aus Wyoming zeigen werden: Nach einem entschlossen geführten, sieben Jahre anhaltenden Rechtsstreit erzielten "The Trust for Public Land" und "The Wilderness Society" samt ihrer jeweiligen Unterstützer einen grandiosen Sieg für den dauerhaften Erhalt des Upper Hoback Basin im Bridger-Teton National Forest (Bestandteil des Größeren Yellowstone Ökosystems).

PXP (Plains Exploration and Production Company, Firmensitz in Houston (Texas)) hatte dort Pachtverträge für eine Fläche von 58.000 acres (rund 23471 ha) abgeschlossen, auf der 136 Bohrlöcher geplant waren und es stand zu befürchten, dass dieses einzigartige Stück Natur für immer verschwinden würde. "The Trust for Public Land" und seinen Partnern gelang es jedoch gegen Zahlung eines Kaufpreises in Höhe von $ 8.75 Millionen das Land für die Allgemeinheit zurückzuerobern. Geht der Wunsch aller Beteiligten in Erfüllung, bleibt "The Hoback" zukünftigen Generationen erhalten. Drücken wir die Daumen, dass dies auch in anderen Gegenden gelingen möge!

Richten wir unseren Blick wieder zurück auf das was in heimatlichen Gefilden geschieht, denn auch wir leben in einem Erdbebengebiet (Niederrheinische Bucht, Oberrheintalgraben, Vogtland) und auch bei uns ist "Fracking" außerordentlich umstritten. Zumindest in der Bevölkerung, zu der sich einige unserer Politiker, allem Anschein nach, nicht mehr so recht zugehörig fühlen mögen. Wie sonst ist zu erklären, dass allen Widerständen zum Trotz und im Hinblick auf die Gefahren, sowie einem gerade gescheiterten Gesetzentwurf zur Regelung von Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten, ein Moratorium seitens der FDP und großen Teilen der Union strikt abgelehnt wurde? Verstehen kann man dies nur im Hinblick auf die anstehenden Wahlen, deren Ergebnisse bei manchem schon festzustehen scheinen. Wir können also davon ausgehen, dass das Thema in der kommenden Legislaturperiode erneut auftauchen wird. Zu hoffen bleibt dabei, dass dies nicht hinten herum und von wirtschaftlicher Seite geschieht, bevor die Politik dafür sorgt, dass "Fracking" in Deutschland verboten wird!

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte und so möchte ich abschließend zu diesem Thema den Dokumentarfilm "Gasland" von Josh Fox empfehlen. In ihm werden die Auswirkungen von "Fracking" in den USA beleuchtet. Wer ihn sich ansehen möchte, findet ihn (noch) auf YouTube. Ebenfalls von Josh Fox stammt die Dokumentation "The Sky Is Pink", welche u. a. auf der Seite www.gegen-gasbohren.de veröffentlicht wurde.



Alles Liebe aus dem Urlaub
eure Anna






Nachtrag am 11.03.2016: Heute berichtet SPON, dass Cabot Oil & Gas in Pennsylvania (USA) Entschädigungen in Millionenhöhe zahlen muss. Es wurde erwiesen, dass die Firma durch Fracking das Grundwasser verschmutzt hat. Gratulation an die Kläger!




Kommentare:

  1. Liebe Anna,

    vielen Dank für Dein Engagement. Super!

    Peter Ettl

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    1. Guten Morgen lieber Peter,

      dieser Blogartikel lag mir schon länger auf der Seele, denn "Fracking" ist immer noch relativ unbekannt.

      Ich wäre glücklich, wenn ich mit diesem Beitrag etwas für den Schutz unserer Mitwelt beisteuern könnte und hoffe sehr, dass unsere Leser durch ihn inspiriert werden, mehr über diese entsetzliche Raubbaumethode und ihre Folgen in Erfahrung bringen zu wollen.

      Danke für deine Worte!

      Alles Liebe
      Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas