Sonntag, 8. September 2013

Die vegane Katze

Obwohl ich der veganen Bewegung einiges abzugewinnen vermag, möchte ich heute einer Aussage in puncto Katzenernährung, die mir neuerdings immer häufiger begegnet, vehement widersprechen. Es handelt sich hierbei um die Behauptung, dass man Katzen ausgewogen, artgerecht und daher guten Gewissens vegan ernähren könne. Dies ist ein Irrtum, denn die Forschung hat hinlänglich bewiesen, dass Katzen, im Gegensatz zu Hunden, reine Fleischverzehrer (Carnivoren) sind und eine ausschließlich pflanzliche Ernährung bei ihnen zu dauerhaften Gesundheitsschäden führt.

Gleichfalls erwiesen ist, dass Katzen Schaden nehmen, wenn sie ausschließlich mit Trockenfutter ernährt werden, da dieses dazu führt, dass sich die Katze in einem permanenten Zustand der Dehydratation befindet, einfach weil diesem Futter die Feuchtigkeit fehlt. Es muss also in irgendeiner Form aufgeweicht werden, bevor es verdaut werden kann.

Einige zusätzlich hinzugefügte Tropfen Wasser sind dabei jedoch nicht ausreichend. Katzen müssten vielmehr die ca. dreifache Menge ihrer Futterportion an Wasser zu sich nehmen. Die Vermutung, dass die Aufnahme einer solch ungeheuren Menge als realistisch bezeichnet werden kann, kann nur jemand hegen, der die Entwicklungsgeschichte der Katzen nicht kennt. Wüstengebieten entstammend, versorgen sich Katzen bis zum heutigen Tag hauptsächlich über ihre Beutetiere, die wie wir Menschen zu 70-80 % aus Wasser bestehen, mit der für sie notwendigen Menge an Flüssigkeit.

Eine Katze die regelmäßig sehr viel freiwillig trinkt, ist meistens krank, seltener eine Ausnahmeerscheinung und gehört daher umgehend in tierärztliche Obhut. Übermäßiges Trinken führt aber auch dazu, dass essentielle Stoffe ausgeschwemmt werden und dem Stoffwechsel nicht mehr zur Verfügung stehen.

Noch eine Anmerkung zur Dehydratation: Um den schwerwiegenden Auswirkungen einer Austrocknung (z. B. akutes oder chronisches Nierenversagen) zu begegnen, entzieht der Organismus zunächst Wasser aus anderen Bereichen wie z. B. dem Urin, mit der Folge, dass dieser alkalisch/basisch (pH-Wert > 7,0) wird. Das ideale Milieu, für die Bildung von Struvitsteinen (Ammoniummagnesiumphosphat)! Im angesäuerten Urin (pH-Wert < 7,0) werden keine Steine gebildet bzw. vorhandene aufgelöst. Der pH-Wert des Urins von Katzen liegt daher idealerweise bei 6,0 bis 6,5.


Besonders Katern sollte kein Trockenfutter angeboten werden, da ihre Harnröhren im Vergleich zu denen der Katzen enger sind und sich Steine leichter anlagern können. Wer sich für dieses Thema interessiert und tiefer einsteigen möchte, wird z. B. hier ganz sicher fündig.

Während die Zahl der Nierenerkrankungen* bei Katzen stetig zunimmt und die konventionell arbeitende (nur die?) Futtermittelindustrie ihrem Trockenfuttermittelbereich immer neue Fantasieprodukte hinzufügt, sollte man annehmen, dass wenigstens die Gruppen, die sich dem Schutz der Tierrechte verschrieben haben, deutliche Zeichen für eine artgemäße Ernährung setzen.

* Katzen verstehen es meisterlich, körperliche Beschwerden zu verbergen. Diese Fähigkeit, die ihnen in freier Natur einen gewissen Schutz bietet, da sie nicht schwach und angreifbar wirken, wird ihnen in häuslicher Umgebung zum Verhängnis, denn der Mensch erkennt oft zu spät, dass es ihnen nicht gut geht. Gerade bei Nierenerkrankungen ist dies besonders fatal, denn meist ist das Gewebe schon so weit zerstört, dass praktisch keine Aussicht auf Genesung besteht.


Unverständlicherweise wird aber gerade hier mit zweierlei Maß gemessen. Während für die Rechte der sogenannten Nutztiere gekämpft wird, wird die eigene Katze mit einer Mischung aus Rübenschnitzeln und Nebenprodukten der Stärkegewinnung, angereichert mit einer Vielzahl von Supplementen, gefüttert, weil für sie kein Tier sein Leben lassen soll. Verkehrte Welt! Während also das eine Tier leben darf, darf das andere ein möglicherweise langes und unbemerktes Siechtum durchleiden, weil man seine Natur nicht akzeptieren will? Das ist nicht nur in höchstem Maße tierquälerisch, es ist obendrein auch noch rassistisch.


Zwei typische Zutatenlisten für veganes Trockenfutter:

  1. Maiskleber, Mais, Maisöl, Proteinreis, Erbsen, Erbsenfaser, Bierhefe, Leinsamen, Kartoffelproteinextrakt, Vitamine und Mineralstoffe, Taurin (0,15%), L-Carnitin, Vitamin E, Linolensäure (6,4%)

  2. Weizen, Soja, Maismehl, Reis, Sonnenblumenöl, getrocknete Bierhefe, Zuckerrübenbrei, natürliches Aroma, Leinsamen, Mineralien, Seegras-Mehl, Spirulina, Oligofructose, Yucca-Extrakt, essentielle Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren. Vitamine und Mineralien pro kg: Vitamin A 15.000 I.E. - Vitamin D2 1.300 I.E. - Vitamin E 150 I.E. - Kupfer (als Kupfersulfat) 12 mg. Außerdem Taurin, wichtige B-Vitamine und Spurenelemente.


Und zwei für veganes Feuchtfutter:

  1. Wasser, Weizeneiweiss, pfl. Öle, Gewürze, Hefe, Tomatenmark, Haferflocken, VEGECAT TM, pfl. Würze, Reisstärke, Salz

    VEGECAT TM: Ascophyllum Nodosum, Kalziumcarbonat, Di-Kalzium Phosphat, DL-Methionin, Taurin, Vitamin B4 (Cholinchlorid), Vitamin E (dl-Alpha-Tocopherolacetat), Zinkoxid, Eisensulfat, Vitamin A-Acetat, Kupfersulfat, Vitamin D2 (ergocalciferol), Natriumselenit, Vitamin B12

  2. Wasser, pflanzl. Eiweiß 20,9 % (Weizen und Lupinen), Tofu 15 %, Sonnenblumenöl, Reisprodukt, Leinsaat, Erbsen und Karotten, Hefeextrakt, Aromen, VEGECAT: Ascophyllum Nodosum, Kalziumkarbonat, Di-Kalzium Phosphat, DL-Methionin, Taurin, Vitamin B4 (Cholinchlorid), Vitamin E (dl-Alpha-Tocopherolacetat), Zinkoxid, Eisensulfat, Vitamin A-Acetat, Kupfersulfat, Vitamin D2 (ergocalciferol), Natriumselenit, Vitamin B12.

Die meisten der o. g. Inhaltsstoffe können von Katzen aufgrund ihrer Phy­sio­lo­gie nicht vollständig verstoffwechselt werden und stehen außerdem im dringenden Verdacht Futtermittelallergien, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Gefäß- und Nierenerkrankungen, Diabetes und die Bildung von Harngries und -steinen zu verursachen.


Und was sagt der Gesetzgeber dazu?



Auszug aus dem Tierschutzgesetzt (TierSchG)
Zweiter Abschnitt
Tierhaltung


§ 2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

[...]

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.


§ 3

Es ist verboten,

[...]

9. einem Tier durch Anwendung von Zwang Futter einzuverleiben, sofern dies nicht aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist,

10. einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet,

[...]


§ 8

(1) Wer Versuche an Wirbeltieren [...] durchführen will, bedarf der Genehmigung des Versuchsvorhabens durch die zuständige Behörde. [...]



Das beste Lebensmittel für Katzen ist und bleibt natürlich die Maus, denn sie liefert der Katze eine vollständige, aber vor allem vollwertige Mahlzeit, bestehend aus Muskelfleisch und Innereien, Knochen (Mineralstoffe), teilweise verdauten Pflanzenteilen (aus dem Magen) sowie Ballaststoffen (Fell) und natürlich Wasser! Allerdings werden die meisten Katzen wohl keine vertilgen, böte man ihnen eine an, einfach weil es ihnen während ihrer Prägephase nicht beigebracht wurde. Sie sind eben von Anfang an an "gut gefüllte Fleischtöpfe" gewöhnt worden.


Was passieren kann, wenn man Tiere nicht artgemäß ernährt, haben wir alle erleben dürfen, als wir Kühe zu Kannibalen gemacht haben, indem wir sie mit dem Fleisch ihrer Artgenossen gefüttert haben.



Schlusswort: Menschen können gut auf Fleisch verzichten, für Katzen aber ist es überlebensnotwendig, denn es ist für sie das Lebensmittel, welches all das enthält, was sie für ein gesundes Leben benötigen. Dies mag manchen Menschen nicht gefallen, doch solange die Wissenschaft nicht in der Lage ist, Fleisch in seiner umfassenden Gesamtheit künstlich im Labor herzustellen, kommt derzeit auch niemand darum herum, seiner Katze Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch anzubieten. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, sollte nicht mit einer Katze zusammenleben, sondern sich mit einem Vegetarier/Veganer zusammentun. Das mag hart klingen, doch es ist die konsequente Umsetzung einer logischen Schlussforderung.



Weitere Informationen zum Thema Ernährung befinden sich auf unserer Homepage www.zauberwesen.eu - klick doch mal rein!


Aktualisierung am 02.05.2014:

Ellen Kienzle im SPIEGEL: Tierernährung: "Katzen vegan zu ernähren, lehne ich ab"
Ellen Kienzle ist Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik am Lehrstuhl für Tierernährung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Kommentare:

  1. Genau, das kann ich nur unterschreiben! Das ist doch scheinheiliges Getue, wenn man den Katzen eine vegane Ernährung aufzwängt. Gut und informativ geschrieben!
    En liebe Gruess
    Alex

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    1. Merci vielmals liebe Alex,

      dieser Beitrag lag mir schon lange auf der Seele und ich bin froh, dass ich ihn endlich geschrieben habe.

      Hab einen schönen Abend.

      Alles Liebe
      Anna

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  2. Ein toller Beitrag, Anna! Du schreibst mir 'aus der Seele'! Hoffentlich erreicht dein Beitrag nicht nur deine Blog-Leserschaft sondern auch diejenigen, die es konkret angeht! Auch der durchschnittliche nicht-vegane Katzenhalter greift aus lauter Unwissenheit auf das fast-vegetarische Katzennahrungsangebot der Futtermittelindustrie - in Form von Trockenfutter - zurück. Soweit haben die Werbebotschaften der Futtermittelriesen bereits den gesunden Menschenverstand unterwandert...

    Liebe Grüße...

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    1. Danke dir, liebe Christina :)

      Wie ich schon Alex gegenüber geäußert habe, wollte ich diesen Beitrag schon lange schreiben, fand jedoch nie die rechte Gelegenheit dazu. Nun bin ich zufrieden, denn er lag mir sehr am Herzen.

      Es ist unglaublich, was Menschen so alles tun und treiben, nur um ein paar Millionen Euro mehr in der Bilanz führen zu können, oder um ihr Gutmenschentum auf die Spitze zu treiben. Als gäbe es nichts Wichtigeres ... Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Weisheit des Homo sapiens kurz vor dem Nullpunkt angelangt ist ...

      Ja, es wäre schön, wenn der Beitrag einige Katzenfreunde erreichen würde.

      Alles Liebe
      Anna

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  3. Und die Industrie verar.. uns auch - was "kämpfe" ich auch im Freundeskreis bei dem Thema.

    Aber selbst die Katzenhalter, die ihre Katzen vom Züchter haben (wo nur Trofu gefüttert wurde), sind von solchen Argumenten nicht zu überzeugen.
    "unseren Katzen geht es gut, sie sind jetzt 11 Jahre und haben nichts. aber dein Kater, den du "gesund" ernährst, dem fehlen bereits Zähne und jetzt hat er auch noch ne Nierenkrankheit...."

    Ja, so läuft das manchmal in meinem Umfeld.
    Ich würde zu gerne barfen,wenigstens unsere Imri, da Baba Fleisch so gar nicht anrührt.
    Aber erst mal einen Schritt vor den anderen.

    Am Donnerstag ist erst mal ein Tierarztwechsel angesagt und dann bin ich gespannt, was er zu Babas Blutwerten sagt.
    Und dann können wir hoffentlich behandeln und nicht dieses doofe Nierendiätfutter (natürlich muss ich gerade Trofu füttern, weil das andere wohl noch beschis... schmeckt und es gar nicht angerührt wird.

    Und dann werde ich sehen, dass ich mich ins barfen einlese!

    LG
    Andrea



    P.S. Heimlich hat Baba sich eben über Imris Rentierfutter hergemacht :-) .., der Kater, der sonst bei fast allem mäkelt! Dieses Nierenfutter schmeckt selbst ihm nicht.

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    1. Das kenne ich rauf und runter, liebe Andrea. Wenn es um Ernährung geht, schalten viele ganz schnell in den Abwehrmodus. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um die ihrer Tiere und/oder Kinder oder um die eigene dreht. Eigenartig aber wahr, Lebensmittelkunde ist für die meisten Menschen kein Thema. Es wird brav geschluckt, was die Industrie vorsetzt, ganz so wie früher bei Mutti ...

      Wundere dich nicht, sondern lasse das Thema einfach fallen, wenn du bemerkst, dass du auf taube Ohren stößt. Am besten lernt der Mensch immer, wenn er sich für ein Thema erwärmen kann und sich eigenständig auf Informationssuche begibt. Dann ist er auch bereit, sich auf Diskussionen einzulassen oder Kritik zu empfangen.

      Immer schön entspannt und nichts übers Knie brechen gilt auch für Katzen. Ihnen kann man nichts aufzwingen, sondern muss step by step vorgehen. Dann ist der Erfolg meistens sicher. Bei jeder Umstellung bin ich mit winzigkleinen Schritten vorgegangen und alle haben begeistert mitgemacht.

      Ein neuer Tierarzt bringt oft neue Erkenntnisse und ich drücke fest die Daumen, dass dies in Babas Fall auch so sein wird. Wäre doch schön, wenn dem Süßen endlich geholfen würde!

      Aha, Baba kommt wohl auf den Geschmack *g* Gut so!

      Alles Liebe
      Anna

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  4. Es ist ja quasi ein Rückschritt. Bis vor 3 Wochen hatte ich ihn vom Trofu weg und dann kam dieses doofe Nietentrofu.
    Und Imri, die Trofu sonst gar nicht interessiert, sie würde sivh am liebsten drüber her machen (und fand das Rentierfutter doof ;-) )
    Aber sie frisst sonst zuverlässig Rohfleisch, da würde der Umstieg auf Barf sicher funktionieren.
    (Aber dem Gatten muss ich es auch noch schmackhaft machen)

    Danke fürs Daumen drücken, ich hoffe wirklich auf neue Lichtblicke.

    Ich berichte. .. lg
    Andrea

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas