Mittwoch, 11. September 2013

Neulich, Sonntagmorgen ...

Während der Kaffee durchlief und sein aromatischer Duft meine Lebensgeister weckte, erregte ein winziges Geschöpf, welches es sich in einer Ecke unter der Küchendecke gemütlich gemacht hatte, meine Aufmerksamkeit.

Da es eindeutig nicht hierher gehörte, fing ich es ein und betrachtete es genau, während es seinen neuen Aufenthaltsort, ein einfaches Weckglas, gründlich inspizierte. Ein solcher Gras(?)hüpfer - herrlich grün mit gelben Beinen - war mir bisher noch nicht untergekommen und so beschloss ich, mich umgehend an dessen Bestimmung zu machen.

Doch zuvor wollte ich dem Grünling seine Freiheit zurückgeben und brachte ihn nach draußen. Hinter dem Haus liegt ein Rasenstück und dort setzte ich ihn ins Gras und wartete ab, was als nächstes geschehen würde. Statt jedoch sogleich fortzuspringen und das Weite zu suchen, kletterte mein Übernachtungsgast ziemlich lust- vielleicht auch ein wenig orientierungslos zwischen den Halmen umher. Dieser Platz gefiel ihm anscheinend überhaupt nicht und so lud ich ihn ein, noch einmal Quartier im Glas zu nehmen, damit ich ihn unbeschadet an einen anderen Ort tragen konnte. Wie staunte ich, als er sogleich bereitwillig in das Behältnis zurückkrabbelte!

Während ich nun verschiedene Plätze aufsuchte und als nicht geeignet verwarf (was für eine Anmaßung, denn ich wusste ja noch nicht einmal, um welches Tier es sich handelt, geschweige denn, welche Ansprüche es hat - doch ich hatte so ein Gefühl ...), lenkte ich meine Schritte schlussendlich zu "meiner" Kastanie.

Kaum hatte ich sie erreicht und das Glas erneut geöffnet, sprang mein Wegbegleiter mit einem Riesensatz auf ein kleines Aststück, welches sich gut 50 cm über dem Boden am Stamm befindet. Von dort aus musterte er mich eine ganze Weile eingehend und nachdem ich mich von ihm verabschiedet und ihm eine gute Zeit gewünscht hatte, machte er sich daran, den riesigen Baum zu erobern und kletterte in einem ziemlichen Tempo den Stamm hinauf.

Zuhause bestimmte ich meine Zufallsbekanntschaft, als (männliche) Gemeine Eichenschrecke, die, man höre und staune, ihr Leben in Parks und Wäldern hoch oben in den Kronen von Bäumen verbringt!



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Ein paar Tage später entdeckte ich ein weiteres Exemplar dieser Laubheuschreckenart im Treppenhaus eines Geschäftshauses. Leider war diese Schrecke jedoch nicht mehr am Leben. Doch auch sie trug ich vorsichtig hinaus, denn mir ging der Anblick dieses einstmals freien Geschöpfes, wie es dort in einer Ansammlung von Kehricht lag, sehr nahe. Ich brachte es einfach nicht fertig, an ihr vorbeizugehen, ohne etwas für sie zu tun. Ich beerdigte sie später an einem schöneren Ort, als jenem, an dem sie ihr Leben verloren hatte.

Ich glaube nicht an Zufälle, denn ich bin davon überzeugt, dass einem zufällt, was für einen wichtig ist. Wieso mir in kurzem zeitlichen Abstand die beiden "Schreckenjungs" in ihren unterschiedlichen Daseinsformen begegnet sind, konnte ich bisher nicht ergründen. Doch ich bin sicher, dass es für irgendetwas gut gewesen ist oder gut sein wird!



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Kommentare:

  1. Hey, Du bist ja eine richtige Hüpfer-Versteherin. So gut, dass Du rausgefunden hast, wohin der kleine Kerl "gehört". Der zweite hatte ja dann leider weniger Glück.
    En liebe Gruess
    Alex

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    1. Irgendwie kam ich mir tatsächlich so vor, liebe Alex, denn es bestand eine - nahezu unheimliche - Schwingung zwischen dem kleinen Hüpfer und mir. Zeitweise kam ich mir vor wie ferngesteuert und das erstaunliche Ende trug nicht unerheblich zu meiner endgültigen Verwirrung, wie du dir sicher vorstellen kannst, bei.

      Alles Liebe
      Anna

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  2. Ich habe jetzt todesmutig einen Blick auf das Hüpfding geworfen. Leider habe ich eine Phobie was gewisse Insekten angeht. Da können die Tierchen nichts für - wie gut, dass es nicht allen Menschen so geht sonst hättest Du dem Grünling nicht helfen können sondern wärest wie ich in Schockstarre verfallen :-)
    LG Christiane

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    1. Großartig, liebe Christiane, ich bin stolz auf dich ;) und dies meine ich kein kleines bisschen ironisch. Da ich eine beinahe panische Angst vor Pferden habe, kann ich gut nachvollziehen, wie es dir ergeht, wenn du kleine grüne Hüpfer siehst.

      Alles Liebe
      Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas