Mittwoch, 6. April 2016

Christian Schmidt - quo vadis?

Christian Schmidt, der amtierende Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft gefiel sich im vergangenen Jahr noch in der Rolle des Bienenretters: "Ich setze mich sowohl auf Bundesebene als auch auf EU-Ebene für die Belange der Bienen ein"1. In diesem Jahr jedoch möchte er Neonikotinoide freigeben, die seit 2009 regelmäßig vom jeweiligen Landwirtschaftsminister verboten werden, gerade weil sie so gefährlich für unsere Mitwelt sind. Ihnen wird u. a. angelastet, mitverantwortlich für das Bienensterben zu sein.

Profitieren würden im Fall einer Freigabe von Neonikotinoiden vor allem Syngenta, BASF und Bayer. Doch das ist meiner Meinung nach gar nicht mal so interessant. Viel interessanter finde ich in diesem Zusammenhang die Meldung der FAZ vom 18.03.2016, der zu entnehmen ist, dass nach einem gescheiterten Übernahmeversuch von Syngenta durch Monsanto, nun die beiden letztgenannten Unternehmen ins Visier des Saatgutkonzerns geraten sind. Der Artikel ist hier verlinkt.

In Teilen Chinas werden heute schon viele Pflanzen von Menschenhand bestäubt, weil es dort keine tierlichen Bestäuber mehr gibt. Doch so weit muss mensch gar nicht schauen, denn auch bei uns sieht die Situation nicht rosig aus.

Es stellt sich wieder einmal die Frage, warum der Mensch den Ast auf dem er sitzt, unbedingt absägen möchte. Eine mögliche Antwort könnte sein: Fallen die Bestäuberinsekten langfristig aus, ist der Weg frei für Nahrungsmittel aus dem Genlabor (denkt nur mal an die weltweite, überaus gewinnträchtige Erschließung neuer Märkte bei gleichzeitigem Ausschluss von Konkurrenz (Stichworte Kleinbauern, Selbstanbauer etc.)). Selbst der millionenfache Verlust menschlichen Lebens auf dem Weg dorthin wird billigend in Kauf genommen. Vielleicht ist er sogar erwünscht?

Das ist natürlich nur mal laut gedacht. In Wirklichkeit werden wir sicher nie erfahren, was "die da oben" anspornt. Eventuell in der Rückblende, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Letzten Endes ist das aber auch nicht wichtig. Wichtiger ist, ob wir das, was wir im Rahmen unserer Möglichkeiten zu tun imstande sind, umsetzen oder ob wir nur von anderen erwarten, dass sie die Dinge ändern. Ich kann dazu nur sagen, dass wir, überlassen wir anderen das Feld, am Ende alles verlieren werden.

Wir sollten uns für unsere Mitwelt immer und überall aktiv einsetzen. Nicht nur weil wir ein Teil von ihr sind, sondern weil sie schlicht und ergreifend die einzige ist, die wir haben.


Jedes Geschöpf ist mit
einem anderen verbunden
und jedes Wesen wird durch
ein anderes gehalten.

Hildegard von Bingen



Filmtipp zum Thema: Heute Abend wird der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm von Markus Imhoof, der das weltweite Bienensterben beleuchtet, wiederholt (SR + SWR jeweils 23:55 Uhr). Ihn lege ich euch ganz besonders ans Herz. Wer ihn verpasst, findet ihn (hoffentlich) in den Mediatheken der genannten Sender.




Weitere Informationen:


Quellenangabe:

1 Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, www.bmel.de/DE/Tier/Nutztierhaltung/Bienen/_texte/DtImkertag2015.html

Kommentare:

  1. Ich habe diesen Film schon gesehen und war geschockt wie wir Menschen mit unser Welt umgehen. Das bin ich auch bezüglich anderer Vorgänge in der Welt. Ich bemühe mich in meinem kleinen Umfeld das Beste zu machen, die Natur zu schätzen und zu geniessen. Manchmal fühle ich mich so ausgeliefert...manchmal wütend und manchmal auch schuldig...
    LG samschi

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    1. Liebe samschi,

      diese emotionalen Achterbahnfahrten kennt sicher jede(r) von uns. Wichtig ist, dass sie nicht die Kontrolle übernehmen, denn dann entmutigen sie lediglich, statt anzufeuern.

      Ich finde es gut, dass du im Rahmen deiner Möglichkeiten aktiv bist. Dazu gehört, sich bewusst zu machen, wie unsere Welt funktioniert und realistisch einzuschätzen, wo der Hebel angesetzt werden kann.

      Jede Kleinigkeit ist hilfreich, denn viele kleine Dinge ergeben zusammen ein großes Ganzes.

      Was ich bisher von dir erfahren habe (ich hoffe, dass dies nicht gönnerhaft klingt!), zeigt mir, dass du auf einem sehr guten Weg bist. Lass dich nicht entmutigen!

      Alles Liebe
      Anna

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  2. More than Honey hab ich mir schon vor einiger Zeit auf DVD gekauft - sehenswerte Doku. Manchmal ist man einfach nur fassungslos. Auf der einen Seite darf ich noch nicht mal den verrosteten Zaun am Garten erneuern, da es kein Gartengebiet ist, obwohl ich damit niemand schädige und auf der anderen Seite dürfen solche Giftmischer alles kaputt machen - versteh einer die Menscheit mir fällt es schwer.

    LG Soni

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    1. Mir geht es da manchmal wie dir, liebe Soni. Viele Entscheidungen können nur mit einem Kopfschütteln betrachtet werden und viele gehören ganz einfach revidiert.

      Reagiere ich fassungslos, versuche ich mir zu vergegenwärtigen, dass es viele Menschen gibt, die in der Sache genauso denken. Die Erkenntnis, nicht allein zu sein, gibt mir Mut und Zuversicht.

      Vielleicht gewinnen am Ende ja doch die Guten?

      Alles Liebe
      Anna

      PS: Könntest du vor das rostige Ding - also auf deiner Seite - einen Zaun setzen und den Zwischenraum von Pflanzen besiedeln lassen?

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  3. Zaun darf ich keinen setzen Anna, aber ich habe das rostige Ding mit Efeu bepflanzt - erstens wuchert das schön zu, zweitens freuen sich die Rehe im Winter - die futtern das ab :-) und im Frühjahr treibt er dann wieder Blätter aus und die Vögel bauen ihre Nester darin - man braucht halt Ideen und so ist einigen geholfen.

    LG Soni

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    1. Ja, an so etwas - für Vögel, Insekten und vielleicht auch Eidechsen o . ä. - hatte ich auch gedacht. Als ich meine Antwort abgesetzt hatte, dachte ich mir noch: "Soni ist findig, die hat sicher längst etwas Gutes kreiert!"

      Rehe mögen Efeu? Das wusste ich bisher nicht, aber jetzt ;)

      Alles Liebe
      Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas