Dienstag, 7. Juni 2016

Aufregung in der Schneeleopardenschlucht

Vorbei sind die Zeiten, in denen die kleinen Schneeleos mühselig auf ihren Bäuchen durch die Box robben mussten, denn beide sind inzwischen schon auf eigenen Beinen unterwegs. Zwar noch etwas wackelig, aber immerhin! Das größere von ihnen ist dabei eindeutig der aktivere Part und auf Entdeckungen aus, während das kleinere Geschwisterkind immer noch am liebsten kuschelig zusammengerollt seine Zeit mit Dösen verbringt.

Nicht nur die kleinen Beinchen werden kräftiger, auch die Fellzeichnung und die Färbung haben sich mittlerweile gut entwickelt und die süßen Wonneproppen tragen nunmehr das wunderschöne Fleckenkleid in Silbergrau (mit creme?), für das leider viele ihrer wilden Schwestern und Brüder mit dem Leben zahlen, so sehr wird es von einigen Ewiggestrigen begehrt.

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Die dritte Woche im Leben eines Katzenwelpen (Auszug aus der Babyseite unseres Juniors):

Inzwischen können alle Mäuse (Anm. Junior und Geschwister) sowohl sehen, als auch hören, denn beide Sinne sind jetzt entwickelt. Obwohl noch sehr tapsig und wackelig auf den Beinen, beginnen die ersten Fellnasen damit, ihre Umwelt zu erkunden. Allein sitzen und stehen wird ebenfalls eifrig geübt. Sauberkeit empfinden die Kleinen instinktiv als wichtig, und versuchen ab und zu auch schon, sich selbst zu putzen. Ohne Mamis Hilfe geht es aber noch lange nicht. Die ersten Zähne des Milchgebisses brechen durch. Die Zeit ist gekommen, erstes Sozialverhalten im Spiel mit Geschwistern und Mami zu erlernen und zu üben. Diese erste Prägephase ist die Zeit zwischen der dritten und sechsten Woche.


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Von Luisa werden die Kleinen nun häufiger für einen längeren Moment verlassen, doch sie können sicher sein, dass ihre Mutter immer in der Nähe ist. Wäre der Rand der Box nicht so hoch, würden sie ihr sicher hinterhersetzen. Doch dafür ist es eindeutig noch zu früh.


Quelle: NABU - Vergrößerung per Bildklick - Beste Darstellung im Vollbild (F11)


Am 31.05.2016 erhielten die Geschwister um die Mittagszeit herum Besuch von vier Personen. Zuvor hatte ich bemerkt, dass die Tür zum Außenbereich mit einem Mal verschlossen war und auch Luisa war nirgends zu entdecken. So schlussfolgerte ich, dass die Minileos wohl bald Bekanntschaft mit Menschen machen werden und blieb gespannt vor der Webcam sitzen. Die Idee war gut, denn so konnte ich geraume Zeit später mitverfolgen, dass Leobaby 1 und Leobaby 2 von vier Personen in Augenschein genommen und sorgfältig begutachtet wurden. Wie sehr sie sich über diese kostbaren Schätze freuten, war allen deutlich anzumerken. Das war ein wunderschöner, sehr zu Herzen gehender Augenblick.

Obendrein wurden die Geschlechter der beiden bestimmt. Mein Tipp aufgrund der Größenunterschiede: Kater / Kätzin.


Quelle: NABU - Vergrößerung per Bildklick - Beste Darstellung im Vollbild (F11)


Nach einer guten Viertelstunde war der ganze Spuk vorbei und die Tür zum Außenbereich wurde wieder geöffnet.

Von allen Beteiligten am wenigsten amüsiert und sichtlich beunruhigt betrat Luisa fauchend und sehr langsam nach allen Seiten sichernd den Raum, in dem sich ihre Jungen befanden. Der Menschengeruch in der Luft muss sie sehr beunruhigt haben. Jedenfalls war es ihrem Verhalten deutlich anzumerken, dass ihr die Situation überhaupt nicht behagte.

Nachdem sie alles inspiziert hatte, widmete sie sich kurz ihren Kindern, legte sich aber dann sehr schnell zwischen sie und die Tür. Auch fauchte sie noch regelmäßig und schaute sich dabei jedesmal prüfend um. Mir fiel auf, dass sie außerdem durch Flehmen Witterung aufnahm. Dabei riechen und schmecken Katzen sozusagen Gerüche. Unterstützt wird dieser Prozess durch das Vomeronasale Organ (auch Jacobson-Organ).

Möglicherweise hielt sich Sagar in der Nähe auf, vielleicht wollte sie aber auch nur den ungewohnten Geruch in ihrer Höhle näher definieren. Ich vermag es nicht zu sagen.

Feststellen konnte ich jedoch zweifelsfrei, dass die sonst so ruhige Luisa mehr als dreißig Minuten benötigte, um den Eingriff in ihre Privatsphäre - verbunden mit der Gefahr, in der sich ihre Kinder in dieser Zeit in ihren Augen befanden - zu verarbeiten. Obwohl ihre Jungen Menschengeruch an sich trugen, war ihr die Sicherung ihres gemeinsamen Umfeldes wichtiger, als diesen durch Putzen zu tilgen. Später holte sie dies aber um so gründlicher nach.


Quelle: NABU - Vergrößerung per Bildklick - Beste Darstellung im Vollbild (F11)


Einige Tage später wurden die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht. Bei den beiden Jungen handelt es sich tatsächlich um einen Kater und eine Kätzin.

Doch es besteht leider nicht nur Grund zum Jubeln, denn diese erste tierärztliche Untersuchung hat ergeben, dass sich bei der Kätzin ein sogenanntes Entropium (Rolllid) gebildet hat. Wie es zukünftig behandelt wird, ob eine Neubildung verhindert werden kann und ob die Leoline zukünftig für die Arterhaltung eingesetzt werden darf, bleibt abzuwarten. Traurig ist das Ganze so oder so, denn eine OP, obwohl kaum zu vermeiden, garantiert bei dieser Diagnose nicht unbedingt einen dauerhaften Heilungserfolg.

Ich möchte aber das Allerbeste hoffen und drücke dem kleinen Leomädchen von ganzem Herzen alle Daumen für dessen baldige Genesung!







Die Webcam im Neunkircher Zoo ist eine Aktion des NABU
Und hier geht's zum Schneeleo-Tagebuch des NABU


Für die Erlaubnis, Bildschirm-Fotos der Webcamübertragung veröffentlichen zu dürfen, danke ich dem NABU-Patenteam sehr herzlich!

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas