Sonntag, 5. Juni 2016

Aus dem Kuhstall

Kühe sind wundervolle Wesen und haben über etliche Jahrhunderte maßgeblich dazu beigetragen, dass die Menschheit neue Regionen besiedeln und bei mangelndem Nahrungsangebot trotzdem überleben und sich zudem in schützende Kleidung hüllen konnte. Geheizt wurde, auch in unseren Breiten, lange mit getrockneten Kuhfladen und wären diese Tiere nicht so gutwillig und stark, hätten viele, vor allem ärmere Bauern ihre Pflüge, Wagen und Karren selber ziehen müssen.

Wurde ihnen, ob dieser unschätzbaren Dienste, in früheren Zeiten noch mit Respekt begegnet (Suchmaschine → Mythologie Kuh), danken wir den Kühen heute, indem wir sie als seelenlose Massenartikel betrachten, über die nach Gutdünken verfügt werden kann.

Weil mich Kühe seit jeher sehr faszinieren und weil es vollkommen unnötig ist, gibt es in unserem Haus kein einziges von einer Kuh stammendes Produkt. Auch die Zauberwesen haben nie Rind auf ihren Tellern vorgefunden.

Auf dem Laufenden halte ich mich in Sachen Kuhhaltung trotzdem.
Vor allem interessiere ich mich für die Innovationen der modernen Landwirtschaft, denn obwohl viele alte Zöpfe inzwischen abgeschnitten wurden, wird dem einzelnen Tier immer noch viel zu viel aufgebürdet. Bei einigen Pro­t­a­go­nisten hat, und das lässt mich hoffen, inzwischen ein regelrechtes Umdenken stattgefunden.

In der NDR-Dokumentation "Viehzucht - Frischer Wind im Kuhstall" werden drei Beispiele vorgestellt, von denen ich besonders eines für überaus förderungswürdig und unterstützenswert halte.




Mehr erfahren (der Ordnung halber sind alle Betriebe aus der Doku gelistet):

Wie im Film zu sehen ist, hält Daniel Wehmeyer seine Tiere - ganz im Gegensatz zur sog. Intensivtierhaltung - allein in Mutterkuhherden. Dies bedeutet, dass die Mutter(Kuh)milch ausschließlich denen zugute kommt, für die sie gedacht ist - den Kälbern nämlich.

Das lässt mein Herz leuchten, denn was besonders schwer auf meiner Seele lastet, ist die Tatsache, dass am Anfang einer jeden Tüte Milch, einer jeden Scheibe Käse und eines jeden Bechers Joghurt, eine Kuh aus der konventionellen Viehwirtschaft spätestens ab ihrem zweiten Lebensjahr die regelmäßige Vergewaltigung per Menschenhand (künstliche Besamung) über sich ergehen lassen muss, damit ein Verbraucher unnötigerweise ein Muttermilchprodukt zu sich nehmen kann. Kühe werden Zuchtbullen nur in den seltensten Fällen zugeführt (zu teuer, zu zeitintensiv, zu wenige Bullen).

Dass Kühe erst schwanger werden müssen, mag für Erstaunen sorgen, doch es ist eine unumstößliche Tatsache, dass Kühe nur regelmäßig Milch geben, wenn sie geboren haben. Dass das bei allen Säugetieren so ist, sieht mensch an seiner eigenen Spezies.

Eine Kuh muss, so wollen es die milchverarbeitende Industrie und die Verbraucher, übers Jahr nahezu durchgängig Milch geben. In der freien Natur würde ihre Milchleistung (Laktation) ca. 6 - 8 Wochen nach der Geburt ihres Kalbes allmählich zurückgehen. Um dies zu verhindern, wird sie in diesem Zeitrahmen neu besamt, also erneut vergewaltigt.

Sie ist während ihres kurzen Lebens nahezu dauerschwanger, leidet unter unzureichenden Haltungsbedingungen und mangelnder Hygiene, durchlebt verschiedene Krankheiten und erfährt ungeheuerliche Schmerzen (Euterentzündungen, Klauenrehe u. v. m.). So ist es kein Wunder, dass eine Kuh mit 5 - 6 Jahren vollkommen ausgelaugt ist. Manchmal sogar schon mit 2 - 3 Jahren. Unvorstellbar, weiß mensch doch, dass Kühe erst ab dieser Zeit als erwachsen gelten. Physisch und psychisch am Ende wird sie von einem Schlachter getötet, selbst wenn sie schwanger ist. Das ungeborene Kalb erstickt während des rund zwanzigminütigen Schlachtvorgangs qualvoll in der Gebärmutter, die mit anderen inneren Organen aus dem Körper herausgetrennt, aussortiert und den Schlachtabfällen zugeführt wird.

Ließe mensch die Kuh einfach in Ruhe leben, könnte sie bis zu 30 Jahre alt werden, würde ab und zu mithilfe eines Bullen auf natürlichem Wege schwanger werden und im Schutz ihrer Herde soziale Bindungen pflegen und einfach Kuh sein.

Doch nicht nur Kuhmütter leiden. Ihren Kälbern ergeht es keinen Deut besser. Direkt nach der Geburt, der Liebe und Fürsorge ihrer Mütter entrissen, steht ihnen ein qualvoller Lebensweg bevor, der mit dem Entzug der natürlichen Muttermilch beginnt und im Mastbetrieb endet, von wo es - früher oder später - zum Schlachter geht. Die, die diesen Weg nicht gehen, enden als Milchkühe (s. o.).

Mir ist dieser anhaltende Appetit auf die Muttermilch einer anderen Lebensform absolut schleierhaft. Die Zeiten, in denen Menschen aus der Not heraus auf die Nahrung der Kälber zurückgreifen mussten sind doch längst, zumindest bei uns, vorbei.

Interessanterweise ist Kuhmilch für uns Menschen erst seit rund 10.000 Jahren* und auch nur aufgrund eines Gendefekts verdaulich. Dieser verhindert, dass die Produktion des Enzyms Laktase eingestellt wird. Dass bekanntermaßen zwei Drittel der Menschheit laktoseintolerant sind, liegt, so wie ich es sehe, darin begründet, dass Mutter Natur nie geplant hat, dass Menschen über das Säuglingsalter hinaus, Milch zu sich nehmen. Vor allem keine artfremde!

* Die Entstehung des Homo sapiens wird heute der Zeitspanne 200.000 bis 100.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zugeordnet.

Milch ist - Herr Müller wird es nicht gern hören - eben doch kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Lebens(!)mittel für die Allerkleinsten und zwar von der eigenen Art. So kann mensch Katzen beispielsweise auch nicht mit Kuhmilch aufziehen, weil deren hoher Laktosegehalt lebensbedrohende Verdauungsstörungen auslösen würde. Jede Muttermilch ist nun einmal auf die Bedürfnisse des zu ihr passenden Säuglings abgestimmt und enthält daher eine spezielle Zusammensetzung der unterschiedlichsten Inhaltsstoffe (Tabelle in Wikipedia).

Diese Tabelle veranschaulicht deutlich, dass die Werte der Milchen von Mensch und Kuh ganz erheblich differieren. Und das bringt mich zu der Aussage, dass Kuhmilch ein ausgesprochen gesundes Nahrungsmittel sein soll. Dem stimme ich zu, wenn die Aussage mit "... für Kälber" beendet wird. Für Menschen, und das belegen immer mehr Studien, ist sie auf Dauer eher als schädlich anzusehen. Besonders die Zielgruppe derjenigen, die sich um eine mögliche Osteoporose* im Alter sorgen, sollten bedenken, dass Milchverzehr den Körper übersäuert. Dem wird durch eine erhöhte Kalziumfreigabe entgegengewirkt. Steht nicht genügend Kalzium aus der Nahrung zur Verfügung, wird es den Knochen entzogen. Ein Teufelskreis, der nur einen lachen lässt - den Milchproduktherstellenden Unternehmer.

* Mit einem Vitamin-D-Mangel (Vitamin D reguliert u. a. den Kalzium-Phosphatspiegel), und der ist in unseren Breiten praktisch normal, kann der Körper Kalzium nur unzureichend verstoffwechseln. Wer sich also beispielsweise um seine Knochendichte sorgt, sollte einen guten Arzt aufsuchen und sich von diesem eingehend beraten lassen.

Wie gehirngewaschen die meisten von uns dank der Werbeindustrie und selbsternannter Ernährungsberater schon sind, zeigt das Unverständnis derjenigen Mitmenschen, für die nicht einmal mehr ansatzweise vorstellbar ist, was gegen den "Genuss" von Kuhmilch sprechen könnte. In so einem Fall empfehle ich, den obigen Text noch einmal zu lesen und "Kuh" durch "Katze, Hund, Schwein, Elch, Steinbock" oder irgendeinem anderen (bei uns heimischen) Säugetier zu ersetzen.

Natürlich geht es auch ohne Kuh. Inzwischen gibt es wunderbare vegane Käsesorten und das Sortiment der pflanzlichen Milchen beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Sojaprodukte. Wer gern ein gutes Stück Fleisch auf seinem Teller vorfinden möchte, sollte einmal andere Bezugsquellen ausprobieren. Der Suchbegriff "Weiderind" wird zum Türöffner in neue Welten und ganz neue Erfahrungen. Vom positiven Geschmackserlebnis ganz zu schweigen.


Wer mehr erfahren möchte, dem empfehle ich einen Wechsel auf die nachfolgenden Seiten:

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Kommentare:

  1. Antworten
    1. Liebe Vanessa,

      wie ich schon erläutert habe, werden bei uns aus tierschützerischer Überzeugung und weil wir sie schlichtweg nicht benötigen, keine "Kuhprodukte" verwendet. Es gibt genügend Alternativen.

      Obwohl die Weigerung, "Kuh" nicht zu kaufen also nicht auf einer LI basiert, möchte ich doch auf deinen Tipp eingehen: Dem eigenen Körper etwas künstlich von außen zuzuführen, um die Muttermilch einer Kuh verstoffwechseln zu können, die überdies auch noch unter barbarischsten Bedingungen geboren, gelebt und gestorben ist, halte ich, gelinde gesagt, für absurd.

      Ein Mensch, der so ein Produkt kauft (und damit einen Dritten reich macht), gibt Geld aus, um etwas verzehren zu können, was für ihn erwiesenermaßen nicht gesund ist. Er hört nicht auf seinen Körper (es hat schon einen Grund, warum der Milch nicht verdauen möchte), sondern glaubt ungeprüft den "Heilsversprechen" anderer (zumeist Leute, die er noch nicht einmal kennt, die ihm jedoch etwas verkaufen wollen).

      Wird eine LI diagnostiziert, ist das für den Betroffenen doch die Gelegenheit, sein bisheriges Verhalten zu hinterfragen!

      Doch wer dann lieber zu Laktase in Dosen greift, entscheidet sich dafür, das ungeheure Leiden eines Mitlebewesen weiterhin vollständig auszublenden und stattdessen lieber alle Formen von Qualzuchtbetrieben, die an dieser Industrie mitwirken, zu unterstützen.

      Nein, danke!

      Alles Liebe
      Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas