Donnerstag, 29. Dezember 2016

Reich und gesegnet

Während der Rauhnächte werfe ich gern einen Blick zurück und lasse das Gute und Schöne des auslaufenden Jahres noch einmal an mir vorüberziehen. Unterstützt werde ich dabei von Notizen, die ich im Laufe des Jahres angefertigt und in einer schönen Schale gesammelt habe.

Diese steht gut sichtbar auf unserem Hausaltar und es erfüllt mich immer mit Freude, wenn ich sehe, wie sich die kleinen Zettelchen im Laufe der Wochen und Monate vermehren und die Schale nach und nach vollkommen ausfüllen.


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Meist setze ich mich am Ende eines Tages mit einer schönen Tasse Tee in die Bibliothek, wo schon Füller, Notizzettel und Kreativschere bereitliegen und lasse den Tag in Gedanken Revue passieren. Während ich das Erlebte "hin- und hersortiere", erhält ein jedes Stück Papier, welches ich beschriften möchte, mithilfe der Schere einen hübschen Rand. Die einzelnen schlichten Notizzettel sehen dadurch nicht nur besser aus, dieses Beschneiden der Ränder trägt außerdem dazu bei, mich zu fokussieren und ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren.

Nach und nach kehrt Ruhe ein, Wichtiges wird vom Unwichtigen getrennt, die Quintessenz des Tages, seine Qualität, tritt deutlich sichtbar hervor. Wer oder was ist mir begegnet? Was habe ich erhalten, erfahren, wahrgenommen? Wie bin ich mit verschiedenen Situationen umgegangen? Was bleibt von all dem übrig? Was davon will ich bewahren?

Notiert werden dann Gedanken oder Erfahrungen oder Begebenheiten, die mir am besten gefallen haben und die es wert sind, übers Jahr aufbewahrt zu werden. Dies könnte z. B. das wunderschöne Lied eines Vogels sein, welches mein Herz gewärmt hat. Auch eine besondere zwischenmenschliche oder berührende tierliche Begegnung, eine plötzliche Erkenntnis, ein überraschendes Geschenk oder eine Inspiration und hilfreiche Unterstützungen fallen darunter. Der traumhafte Spaziergang, ein Lächeln, die wunderschöne Blume am Wegesrand, Erfolge jeglicher Art, die Erinnerung an funkelnde Tautropfen in denen sich das Sonnenlicht gebrochen hatte, der süße Duft von Kartoffelrosenblüten, glückliche Zufälle jeglicher Art und, und, und ...

Dieses tägliche Aussieben lässt mich nicht nur bewusster leben, es trägt auch dazu bei, dass ich erfahre von wie viel Gutem ich jeden Tag umgeben bin. Es ist immer da, wird von mir nur nicht immer gleich gesehen, weil ich manch Unangenehmen zu viel Raum gebe. Diese kleine Achtsamkeitsübung am Ende eines Tages trägt dazu bei, die Verhältnisse wieder geradezurücken und sie lässt mich erkennen, dass am Ende das Gute immer überwiegt, denn auch im Unangenehmen ist Gutes enthalten. Es ist oft nur nicht so offensichtlich. Doch die Mühe lohnt sich, genauer hinzuschauen, denn dadurch wandelt sich das Beschwerliche in einen Funken der Erkenntnis, der mein Herz wieder leicht und frei werden lässt.

Zum Jahresende hin - und hier schließt sich der Kreis - lese ich noch einmal jede einzelne Notiz und versuche mir die dazugehörige Situation zu vergegenwärtigen. Ist jeder Zettel aufgefaltet und gelesen kann ich gar nicht anders, als voller Dankbarkeit auf das scheidende Jahr zu blicken, denn allerspätestens jetzt erkenne ich, dass ich in unglaublicher Fülle und umgeben von großer Schönheit leben darf.

Auch wenn nicht immer alles so gelaufen ist wie es gewünscht war, war es doch insgesamt ein sehr gutes Jahr und möglicherweise stellt sich auch schon bald heraus, dass das vermeintlich Verlorene, Entgangene keinen echten Verlust darstellt, weil etwas Passenderes an seine Stelle treten wird oder schon seinen Platz eingenommen hat. Wie heißt es doch so schön: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Was auch kommen mag, meine bisherigen Erfahrungen geben mir hunderterlei Gründe, auch weiterhin vertrauensvoll und optimistisch in die Zukunft zu blicken und so werde ich die schöne Schale auch im kommenden Jahr auf unserem Hausaltar platzieren und Füller, Notizzettel und Kreativschere griffbereit halten.