Montag, 28. Februar 2011

Der Junge und der Seestern

Viele von euch kennen die nachfolgende Geschichte vielleicht schon. Wegen der in ihr verborgenen tiefen Weisheit veröffentliche ich sie hier aber trotzdem, denn sie muntert mich jedesmal auf und lässt mich optimistisch nach vorn schauen, wenn ich einmal den Kopf hängen lasse, weil ich denke, dass ich mit meinem Tun und Handeln eh nichts bewirke ;)


Der Junge und der Seestern

Es war einmal ein weiser Mann, der die Angewohnheit hatte, sich ans Meer zu setzen, um dort zu schreiben. Für gewöhnlich ging er zunächst den Strand entlang, bevor er mit seiner Arbeit begann. Eines Tages, als er wieder einmal am Meeresufer entlang ging, sah er in einiger Entfernung einen Menschen, der sich wie ein Tänzer zu bewegen schien.  Er lächelte bei dem Gedanken, dass dort jemand anscheinend den Tag betanzte und beschleunigte seine Schritte. Als er näher kam, entdeckte er, dass es ein junger Mann war, der gar nicht tanzte, sondern sich bückte, um etwas aufzuheben, um es dann sanft in das Meer zu werfen.

Der junge Mann hielt inne, sah auf und antwortete: "Ich werfe Seesterne ins Meer."

"Ich vermute, dass ich hätte fragen sollen, warum du Seesterne ins Meer wirfst?" entgegnete der Mann.

"Die Sonne steht hoch und die Ebbe setzt ein. Wenn ich diese Seesterne nicht ins Meer werfe, werden sie alle sterben", sagte der junge Mann.

"Aber junger Mann, merkst du denn nicht, dass es hier am Strand Kilometerweise Seesterne gibt. Du wirst vermutlich keinen Unterschied machen mit deiner Aktion."

Der junge Mann hörte höflich zu, beugte sich dann wieder hinunter, nahm einen weiteren Seestern auf und warf ihn in das Meer hinter die Wellen, die sich vorne brachen. "Für diesen einen hat es einen Unterschied gemacht."

Seine Antwort überraschte den Mann, er war empört und wusste nicht, was er antworten sollte, so drehte er sich um und ging zu seinem Platz, um mit dem Schreiben anzufangen.

Den ganzen Tag während er schrieb, drängte sich ihm immer wieder das Bild des jungen Mannes auf. Er versuchte, es zu ignorieren, doch es blieb bestehen. Am späten Nachmittag wurde es ihm endlich klar, dass er, der Wissenschaftler, der Poet, das Wesentliche in der Handlung des jungen Mannes nicht wahrgenommen hatte: Das, was der junge Mann tat, war eine Wahl. Die Wahl, nicht ein Beobachter im Universum zu sein und zu schauen, was geschieht, sondern die Wahl zu treffen, selbst jemand zu sein, der das Geschehen des Universums mitbestimmt und einen Unterschied macht. Er war beschämt.

An dem Abend dieses Tages ging der Mann bekümmert zu Bett. Als der nächste Morgen kam, wachte er auf und wusste, dass er etwas zu tun hatte. So stand er auf, zog sich an und ging zum Strand. Dort fand er den jungen Mann und verbrachte den Rest des Morgens damit, Seesterne in das Meer zu werfen.


Unbekannter Verfasser 


 

Danke, liebe Nadine von den Moonlightpaws,
für deine Anregung, diese wunderbare Geschichte online zu stellen!


Kommentare:

  1. Ich kannte die Geschichte noch nicht. Sie ist sehr bemerkenswert und zeigt auf, was jeder einzelne tun kann. Es geht nicht darum die Welt zu retten, sondern überhaupt etwas zu tun, einen Anfang machen.

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  2. Liebe AnnaFelicitas. Das ist stimmig. Vorbild sein. Unter Erwachsenen macht das den Unterschied und auch wenn wir nicht sofort eine Wirkung sehen, der Unterschied wird gemacht...

    Liebe Grüße
    Rainer

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  3. Hallo Raoul,
    so empfinde ich es auch. Gleichzeitig vermittelt mir diese Parabel die Zuversicht, dass jeder noch so kleine Beitrag willkommen und wichtig ist. Sie macht deutlich, dass das große Ganze aus vielen kleinen Einzelheiten besteht.

    Alles Liebe
    Anna

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  4. Stimmt! Vorbilder sind von immenser Bedeutung für die Welt, lieber Rainer, und ich bin dankbar von vielen umgeben zu sein, die mein Denken und Handeln positiv beeinflussen!

    Alles Liebe
    Anna

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  5. Hallöchen,
    gern geschehen, denn ich finde die Geschichte auch einfach genial und vor Allem LEBENSWERT! :-)
    LG Nadine & Cats

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas