Freitag, 18. März 2011

Andere Lebewesen und (menschengemachte) Katastrophen

Ichbezogenheit scheint ein weltweites Phänomen zu sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass der Mensch - unabhängig davon wo er sich auf unserem Planeten befindet - im Katastrophenfall immer nur über "Menschen in Not", "Menschen die überlebt haben", "Menschen die alles verloren haben" usw. berichtet? Mich irritiert dieses Verhalten und die Berichterstattung rund um Japan bildet da leider keine Ausnahme.

Wir sind nicht die einzigen Bewohner auf diesem Planeten, sondern teilen unseren Lebensraum mit den unterschiedlichsten Lebewesen. Ob Tiere, Pflanzen, Steine. Ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Sie alle sind ebenso betroffen, wie die Spezies Mensch.

Besonders in Zeiten menschengemachter Katastrophen sollten wir an all die unschuldigen Geschöpfe denken, die uns in Normalzeiten so viel Freude im Alltag bereiten, uns so selbstverständlich als Nahrung, als Sportgerät (Pferde) oder zur Belustigung (Zirkustiere, Tanzbären etc.) dienen müssen. Sie alle haben es mehr als verdient, dass wir ihnen Respekt und Achtung zollen, dass wir ihrer gedenken und - im Falle von durch Menschen verursachten Katastrophen (BP - Golf von Mexiko, Tepco - Fukushima) - uns bei ihnen für das Leid, welches wir in ihrem Leben verursacht haben, entschuldigen und Abbitte, z. B. durch Einrichtung von Schutzzonen, generellem Fangverbot etc., leisten. 

Stattdessen freuen wir uns derzeit darüber, dass die Winde günstig stehen und die atomaren Wolken auf den Pazifik hinausgetrieben werden. Wie können wir uns darüber freuen? Sie werden dort nicht in nichts aufgelöst. Das Meer ist kein Schwarzes Loch. Das Meer ist voller Lebewesen und auch die haben ein Recht auf Gesundheit. Am Ende, nachdem der eine oder andere Meeresbewohner in einem Netz gelandet ist, schließt sich dann doch der Kreis für die Menschheit. Ein Entkommen gibt es nicht.

~*~ 

Heute habe ich eine Geschichte gefunden, die mich ein klein wenig aussöhnt und mich mit Hoffnung erfüllt. Sie handelt von einem Spaniel in der Präfektur Ibaraki, der einen verletzten Artgenossen behütet hat und dem es sogar gelang, ein Filmteam auf sich aufmerksam zu machen. Am Ende wurden beide, laut "Telegraph" vom Japan Earthquake Animal Rescue and Support gerettet. 




Quelle: Tages-Anzeiger Online, Zürich 


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Kommentare:

  1. Liebe Anna,

    ich verstehe was Du meinst. Dieses Phänomen lässt sich allerdings recht einfach erklären (Richard Dawkins, man möge sonst von ihm halten was man will, hat das in den 1970ern mit seinem Buch "Das egoistische Gen" entschlüsselt).

    Dass die Menschheit sich also in erster Instanz um sich selbst Sorgen macht erlebe ich als natürlich. Das nimmt uns allerdings nicht von der VERANTWORTUNG aus die anderen Spezies (letztlich auch wegen unserer Abhängigkeit von ihnen) zu schützen.

    Der Fehler liegt also (meiner bescheidenen Meinung nach) nicht bei den Menschen, die sich im Augenblick nur um die (menschlichen) Japaner sorgen machen, sondern bei denen, die solch gefährliche Ungetümer in die Gegend stellen - obwohl sie die Auswirkungen auf Flora und Fauna kennen. Und letztere schließt uns genauso mit ein wie einen zufällig im angrenzenden Meer dahinschwimmenden kleinen Fisch.

    lG,
    Daniel

    PS: Ein Hoch auf den Hund! Meiner ist nicht einmal treu genug bei mir zu bleiben wenn wir ohne Leine spazieren gehen würden...;)

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  2. Lieber Daniel,

    ich kenne Richard Dawkins und seine Thesen leider nicht und kann dir daher gerade nicht folgen. Es tut mir leid!

    Ein Wesen welches sich als Krone der Schöpfung bezeichnet, sollte sich, meiner Meinung nach, auch als eine solche verhalten. Nicht mehr, nicht weniger!

    Betreibern von Ölplattformen oder AKWs die alleinige Schuld zuzuweisen halte ich - bitte entschuldige - für allzu verbraucherfreundlich. Auch zu diesem "Spiel" der Kräfte gehören nämlich zwei. Da wäre also auf der eine Seite ein gieriger Industriemagnat und auf der anderen Seite? Richtig! Ein gieriger Verbraucher, der für jeden Meter, den er zurücklegen möchte ein Auto benötigt, der wo er geht und steht in ein Handy parlieren muss und der an jedem Tag der Woche Fleisch für €1,50/kg verzehren möchte ... Und der daher nur allzu gern die ihm aufgetischten Lügen schluckt. Im Grunde unserer Herzen wissen wir doch alle ganz genau, wie oft unser Verhalten vollkommen kontraproduktiv ist und wann wir belogen werden, oder nicht? ;)

    Ich danke dir sehr für deine Gedanken, die du dir zu diesem Thema, welches mir nun einmal sehr am Herzen liegt, gemacht hast!

    Alles Liebe
    Anna

    P.S. Ihr habt anscheinend ein Rangfolgenproblem. ;)

    P.P.S. Richard Dawkins - ich werde mich über ihn informieren!

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  3. Über diesen Link

    http://haustierwir.blogspot.com/2011/03/world-vets-helfen-den-tieren-in-japan.html

    kommt ihr zu Ballis Blog, dieser Eintrag befasst sich ebenfalls mit dem Thema. Sie hat nach einer vertrauenswürdigen Organisation gesucht, die den Tieren in Japan nach der Katastrophe hilft. Mit http://www.worldvets.org hat sie eine gefunden!

    Ein schönes Wochenende wünscht Katharina

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  4. Liebe Katharina,

    du bist die Wucht! 1000 Dank für diese Info!!
    Fühl dich dafür gedrückt :)))

    Ein schönes Wochenende auch dir.

    Alles Liebe
    Anna

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  5. Aloha nochmal,

    vielleicht hab' ich mich unklar ausgedrückt: Ich meinte mit "uns" nicht die Kraftwerksbetreiber sondern die gesamte menschliche Zivilisation (Kunden wie Anbieter gleichermaßen). :)

    Über Dawkins muss man sich diesbezüglich den Kopf nicht zerbrechen - er hat nur erklärt warum Wesen die einander genetisch ähnlich sind (eben Menschen anderen Menschen) sich gegenseitig unterstützen (und sich umeinander mehr sorgen als Menschen etwa Bienen gegenüber, auch wenn's ethisch nicht fair ist).

    In diesem Sinne: Wir sind einer Meinung. Ich bin nur zu dämlich es in Worte zu fassen. *lach*

    lG,
    Daniel

    PS: Ja. In der Tat. :/

    PPS: Der Mensch als Krone der Schöpfung ist ein Thema ganz für sich... *breitgrins*

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  6. Lieber Daniel,

    erst einmal danke, dass du das Postskriptum so abkürzt, wie es abgekürzt wird. Ich bin begeistert! Leider aber wohl zu angepasst, um es selbst zu tun :)

    Da sind wir uns ja einig - ich hatte mich auch schon ein wenig gewundert ;)

    Ich verstehe durchaus, dass Menschen zunächst an Menschen denken. Ich erwarte aber von Homo sapiens (einsichtsfähiger, weiser Mensch), dass er sich zu Höherem aufzuschwingen vermag, als zu dem Wenigen, was er im Augenblick - mehr recht als schlecht - zustande bringt.

    "Krone der Schöpfung" wäre doch ein Thema für dein Blog?! Ich würde jedenfalls liebend gern deine Gedanken darüber lesen!

    Alles Liebe
    Anna

    PS: Möchtest du einen glücklichen Hund, dann mache dich zu seinem Leittier.

    PPS: Mein Gott, jetzt hat sie's! *fg*

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  7. Darüber hatten wir letztens auch noch gesprochen und ein wenig gegrübelt.

    Denn es gibt ja nicht nur freie Tiere (Wildtiere) sondern auch Tiere in Gefangenschaft (z.B. Zoos). Tiere können solche Ereignisse ja vorausahnen und als Fluchttiere wollen sie nur weg. Und wenn es sich um Zoos handelt, dann sieht es ja schlecht aus :(

    Oder wie wäre es, wenn wir außer Haus sind und etwas passiert. Katz kann nicht flüchten .... boooh, mit diesen Gedanken habe ich schon so manche schlaflose Nacht verbracht.

    Mich erschreckt auch, wenn die Nachrichten berichten " die Wolke dreht ab Richtung Pazifik" .... ja, aber da leben doch auch Tiere und mich tröstet auch nicht, dass es dann verdünnt wird.... überhaupt nicht, denn das Meer ist doch ein sehr komplexer Lebensraum (mag auch die Windkrafträder nicht im Watt :/)

    Kein Wunder das es das Wort Tierschutz gibt und noch erschreckender ist dann noch, dass diese vor dem Menschen und deren Erfindungen geschützt werden müssen.

    Meine Oma sagte einmal, wenn die Welt dem Abgrund nahe ist, dann hat der Mensch keine Überlebenschance, jedoch Tiere seien so anpassungsfähige Lebenswesen, die würden sich ohne weiteres dann anpassen können. Eigentlich kann Mensch viel von den Tieren lernen, denn die Natur hat viel engerie in die Tiere gesetzt und bei dem Menschen war/ist die natur eher sparsam ;)

    LG
    Marlene

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  8. Liebe Marlene,

    ich danke dir erst einmal dafür, dass du dir so viele Mühe gegeben hast, um auf mein Post eingehen zu können, und deine Gedanken mit uns zu teilen. Ich bin davon zutiefst berührt (auch gerührt) und drück dich dafür ganz fest!

    Deine Oma liegt mit ihrer Einschätzung sicher richtig. Tiere verlassen sich - im Gegensatz zum Menschen - auf ihre Instinkte. Sperrt man sie allerdings ein, können ihnen diese natürlich nicht helfen, verlängern höchstens die Qual der Panik. Die Oderfluten haben es uns 2002 und 2010 gezeigt ... Daher verstehe ich deine Sorgen um "Felix, allein zu Haus" auch nur zu gut. Mir geht es mit den Zauberwesen ebenso.

    Besonders gut gefallen hat mir deine Definition von Tierschutz. Da gibt es einfach nichts zu beschönigen!

    Danke!

    Alles Liebe
    Anna

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  9. Das mit dem Tierschutz ist irgendwie abgewandelt von Theodor Heuss. Wie ich es zum ersten Mal las, hat es sich bei mir irgendwie eingebrannt ;)

    Zitat von Theodor Heuss:
    >> Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort
    " Tierschutz " überhaupt geschaffen werden musste <<

    Und er hat recht damit.

    LG
    Marlene

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  10. Liebe Marlene,

    ich antworte erst heute, weil dein letzter Kommentar irgendwie untergegangen ist, bitte entschuldige!

    Dieses Zitat kenne ich und mir ging es ähnlich wie dir, als ich es das erste Mal hörte.

    Gandhi hat einmal gesagt: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Wie weit wir nach dieser langen Zeit gekommen sind - immerhin ist Gandhi schon vor etwas mehr als 60 Jahren gestorben - sieht man tagtäglich überall auf der Erde :/

    Aber was kann man auch schon groß erwarten. Der Mensch geht ja noch nicht eimmal mit seinen eigenen Artgenossen menschlich um! Es ist erschütternd!

    Knuddel deinen süßen Felix von mir.

    Alles Liebe
    Anna

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Ich danke dir für deinen Eintrag @>->- und freue mich darauf ihn nachher zu lesen! Hab eine schöne Zeit, AnnaFelicitas